11. Mai 2010

Neues Amt statt Ruhestand

St. Anton i. M. - Bürgermeister Rudi Lerch (63) wird neuer Montafoner Standesrepräsentant.

Wie das Leben so spielt: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Im Fall von Rudi Lerch, Bürgermeister von St. Anton im Montafon, haben die Geschehnisse seit Jahresanfang tatsächlich einen ganz anderen Verlauf genommen, als sich das der 63- jährige ebenso umsichtige wie zielstrebige Kommunalpolitiker eigentlich vorgestellt hat.

Pflichtbewusstsein

Nach 13 Jahren als Gemeindechef des kleinen Montafoner Tourismusortes wollte Rudi Lerch mit Abschluss der Amtsperiode im vorigen März sich gleichsam von der kommunalpolitischen Bühne verabschieden und in Ruhestand gehen. Aus dem geplanten Pensionsantritt wurde indes nichts. Nachdem sich partout kein anderer fürs Bürgermeisteramt fand, stellte Rudi Lerch sich, pflichtbewusst wie er ist, noch einmal zur Verfügung. Und wurde mit knapp 90 Prozent Zustimmung natürlich wieder gewählt. „Es gibt Aufgaben und Herausforderungen, um die kommt man manchmal nicht herum“, sieht der Montafoner die Situation pragmatisch. Und die nächste eigentlich nicht eingeplante Aufgabe und Herausforderung für den Gemeindechef von St. Anton steht auch schon an. Heute wird er als Nachfolger von Dr. Erwin Bahl, der nach dem Verzicht auf eine erneute Bürgermeisterkandidatur in Schruns nun auch nach 15 Jahren sein Amt als Standeschef abgibt, zum neuen Montafoner Standesrepräsentanten gewählt. Darauf haben sich jedenfalls seine acht ÖVP- Bürgermeisterkollegen aus Stallehr, Lorüns, Bartholomäberg, Schruns, Tschagguns, Silbertal, Gaschurn und St.Gallenkirch im Standesausschuss des Gemeindeverbands verständigt. Dass allerdings der Bürgermeisterkollege aus Vandans, Burkhard Wachter (FPÖ), offenbar statt ihm lieber einen anderen, vielleicht Jüngeren aus der Reihe der Montafoner Gemeindeoberhäupter neu an der Spitze der traditionsreichen Gemeindepartnerschaft sehen würde, nimmt Rudi Lerch mit der ihm eigenen Ruhe zur Kenntnis: „Dass man nicht immer einer Meinung ist, das ist gelebte Demokratie.“ Und das zählt natürlich auch im Montafon. Überhaupt geht der konsequente 63- jährige Kommunalpolitiker davon aus, dass „wir weiterhin alle an einem Strang ziehen, wenn es um die gemeinsamen Anliegen der zehn Gemeinden im Montafon geht.“

Kooperationen forcieren

Rudi Lerch, der bei der Montafonerbahn Schruns viele Jahre als Fahrdienstleiter tätig war, will als neuer Standesrepräsentant zügig darauf hinarbeiten, dass „gerade in den jetzt durch die allgemeine Finanz- und Wirtschaftslage vorherrschenden schwierigen Zeiten, mögliche Gemeindekooperationen weiter forciert werden“. Ansätze wie eine gemeinsame Bauverwaltung der Talgemeinden gelte es auszubauen. Als früher leidenschaftlicher Vereinsfußballer in Schruns setzt der neue „Montafoner Teamchef“ auf den Mannschaftsgeist seiner Bürgermeisterkollegen. „Ein gutes Zusammenspiel aller politisch Verantwortlichen im Montafon ist hinsichtlich der förderlichen Weiterentwicklung des Tals enorm wichtig.“ Rudi Lerch denkt etwa an das gestartete Großprojekt „Raum­entwicklung Montafon“ und dabei insbesondere auch an eine erforderliche Entschärfung der belastenden Verkehrssituation.

zur Person

Rudi Lerch
Der 63- jährige Gemeindechef von St. Anton wird heute zum neuen Montafoner Standesrepräsentanten gewählt.
Geboren: 1. November 1946
Beruf/Laufbahn: 43 Jahre bei MBS im Bahnbetrieb beschäftigt, seit 1997 Bügermeister in St. Anton im Montafon.
Familie: geschieden, zwei Kinder, drei Enkelkinder.

29. April 2010

Partnerschaft Montafon und Illwerke besiegelt

Nach der jahrelangen Zusammenarbeit zwischen dem Stand Montafon und den Vorarlberger Illwerken, haben die beiden Partner einen Zwei-Millionen-Euro-Partnerschaftsvertrag unterzeichnet.

Montafon als Sicherheitsgarant für Illwerke
Die Partnerschaft zwischen den zehn Montafoner Gemeinden und den Illwerken reicht lange zurück. So sei der Stand Montafon Forstfonds laut Presseaussendung mit seinen Waldungen beispielsweise das grüne Rückgrat der gesamten Region und durch entsprechende Waldbewirtschaftung durch die Forstfonds-Experten auch ein Sicherheitsgarant für die Anlagen der Illwerke im Montafon laut Presseaussendung.

"Ein Ausgleich für die Nachteile"
"Uns ging es von Anfang an darum, dem Montafon einen Ausgleich für Nachteile oder Erschwernisse zu geben", sagt Illwerke-Chef Ludwig Summer. "Wir bauen jetzt im Montafon seit 2003 durchgehend an Großvorhaben und werden an Obervermunt II bis 2018 bauen. Damit sind zweifelsfrei Einschränkungen im Verkehr und Tourismus vorhanden", schildert Summer.

In der E-Wirtschaft sei es üblich, Belastungen abzugelten, wenn sie über einen so langen Zeitraum andauern.

Bürgermeister unterzeichneten Vertrag
Jetzt wurde der Vertrag von den Bürgermeistern Lothar Ladner (Lorüns), Rudi Lerch (St. Anton), Bertram Luger (Stallehr) sowie Martin Vallaster (Bartholomäberg), Burkhard Wachter (Vandans), Herbert Bitschnau (Tschagguns), Thomas Zudrell (Silbertal), Ewald Tschanhenz (St. Gallenkirch) und Martin Netzer (Gaschurn) sowie den Illwerke-Vorständen Ludwig Summer und Christof Germann sowie Standesrepräsentant Erwin Bahl im Beisein von Landesrat Siegi Stemer offiziell unterzeichnet.

21. April 2010

Trockensteinmauern - bauen, sanieren und verstehen

Mittwoch bis Freitag, 5.-7. Mai 2010
St. Gallenkirch/Galgenuel "ViaValtellina"



Trockensteinmauern - bauen, sanieren und verstehen

Dieser bereits zum dritten Mal durchgeführte dreitägige Kurs vermittelt die Grundfertigkeiten für die Errichtung und Sanierung von Trockensteinmauern in Anlehnung an den Zertifikatslehrgang „Errichtung von Trockensteinmauern“ des Ländlichen Fortbildungsinstituts. Die Kursleitung hat Dr. Martin Lutz (Fa. OekoBeratungen und Trockenmauern, Belp/CH) mit Unterstützung von Friedrich Juen (Heimatschutzverein Montafon) und einem Kurslehrer der Weinbauschule Krems.

Anmeldung bis 25. April erforderlich: Ländliches Fortbildungsinstitut / Mail lfi@lk-vbg.at oder Tel 05574/400-191; der Kursbeitrag beträgt 125 Euro.

Trockenmauern: ein altes Handwerk neu entdeckt

Mittwoch, 5. Mai 2010, 19.15 Uhr
Montafoner Heimatmuseum Schruns



Trockenmauern: ein altes Handwerk neu entdeckt - VORTRAG mit Dr. Martin Lutz

Bis Mitte des letzten Jahrhunderts wurden Trockenmauern noch regelmäßig gebaut, repariert und unterhalten. Die zunehmend billigere Energie, vielfältig einsetzbare, neue Baumaterialien sowie Veränderungen im Gesellschaftsgefüge wie die Landflucht und die Industrialisierung der Landwirtschaft förderten den Verlust des Wissens. Terrassenlandschaften verbrachten, Wege wurden nicht mehr begangen und verfielen. In den letzten zehn Jahren ist eine Renaissance im Trockenmauerbau zu beobachten, die Hoffnung weckt. Im Vortrag wird der Schweizer Refernt Martin Lutz – er leitet die Kurse an der ViaValtellina – die Bedeutung der Trockenmauern in der Vergangenheit aufzeigen. Die Zuschauer/inn/en sollen die Faszination für diese alte Technik kennenlernen. Das aktuelle Kurswesen wird Teil des Vortrages sein.

Die archäologischen Grabungen am "Kleinen Exerzierplatz" in Bludenz

Mittwoch, 21. April 2010, 20 Uhr
Bludenz, Bezirkshauptmannschaft (Sitzungszimmer)
Die archäologischen Grabungen am "Kleinen Exerzierplatz"
in Bludenz, Frühjahr 2009 – Ein Vorbericht

Vortrag von Mag. Christina Kaufer

Der Bludenzer Fundpunkt "Kleiner Exerzierplatz" ist seit den Altgrabungen Adolf Hilds in den 1930er Jahren für seine spätbronze- wie eisenzeitlichen Siedlungsbefunde und seine fünf Urnengräber bekannt. Ein aktuelles Wohnbauprojekt machte erneute archäologische Untersuchungen im Frühjahr 2009 notwendig. Wie der Name des Grabungsorts schon andeutet, wurde die Fläche zuerst als Exerzierplatz genutzt, erfuhr jedoch unmittelbar vor und während des Zweiten Weltkriegs durch den Bau von umfassenden Bunker- und Kasernengebäuden weitreichende Veränderungen. Folgerichtig kamen in den obersten Schichten sechs neuestzeitliche Befunde zu Tage,die mit dieser militärischen Nutzung in Zusammenhang stehen. Zwischen diesen Baustrukturen fanden sich Reste römischer, eisen- wie bronzezeitlicher Schichten, die leider jedoch vielerorts gestört waren. Was wir noch finden konnten, ist nur mehr ein "Abglanz" dessen, was sich hier wohl einst befand. Dennoch überraschten einige sehr schöne römische Funde und bronzezeitliche Keramiken, wie sie von den Altgrabungen bisher nicht bekannt sind. Trotz der teilweise vermischten Inventare bieten die Ergebnisse der Grabungen die Möglichkeit, die einstige prähistorische Bedeutung sowie die lange Nutzung dieses Bludenzer Fundplatzes zu untermauern. Der Hauptteil des Vortrags soll der prähistorischen Geschichte des "Kleinen Exerzierplatzes" gewidmet sein, wobei kurze Exkurse zu Methodiken der archäologischen Wissenschaft und zur Forschungsgeschichte – zum Beispiel zu den Militäranlagen – vorgesehen sind.

23. März 2010

Generalversammlung des Heimatschutzvereins

Dienstag, 13. April 2010, 19.15 Uhr
Montafoner Heimatmuseum Schruns

Generalversammlung des Heimatschutzvereins mit Präsentation des Jahresberichts 2009 und Vorstellung des Plans für das neue Montafoner Heimatmuseum

Alljährlich findet nach Ostern die Jahreshauptversammlung (Generalversammlung) des Heimatschutzvereins statt. Zu diesem traditionellen Termin wollen wir Sie an diesem Abend einladen.

Tagesordnung (Anträge zur Erweiterung der Tagesordnung müssen bis Freitag, 9. April, 12 Uhr, schriftlich eingegangen sein):

1 Begrüßung

2 Genehmigung des Protokolls der letzten Generalversammlung (das Protokoll liegt bei der Versammlung auf und kann auf Wunsch auch vorher zugesandt beziehungsweise eingesehen werden)

3 Bericht des Obmanns zum Vereinsjahr 2009

4 Bericht der Kassierin zum Vereinsjahr 2009

5 Stellungnahme der Kassaprüfer und Entlastung der Kassierin

6 Entlastung des Vorstands

7 Vorschau auf das Vereinsjahr 2010 und Genehmigung des Voranschlags

8 Festsetzung des Mitgliedsbeitrags für 2010

9 Allfälliges

Im Rahmen der Generalversammlung wird auch der Jahresbericht 2009 präsentiert. Die gedruckte Fassung umfasst rund 50 Beiträge, die sich mit allen Facetten der Montafoner Museen, des Heimatschutzvereins Montafon und des Montafon Archivs auseinandersetzen.

Im Anschluss wollen wir den Mitgliedern und allen Interessierten auch den Plan für das neue Montafoner Heimatmuseum vorstellen und diskutieren.

MONT.AG.TREFF

Montag, 29. März 2010, 10 Uhr
Montafoner Heimatmuseum schruns
MONT.AG.TREFF Montagsgespräche zur Architektur rund um das neue Montafoner Heimatmuseum


MONT.AG. – Eine Serie zu Fragen der Architektur

Hinter dem Kürzel MONT.AG verbergen sich die Montafoner Architektur-Gespräche 2010. Die Kurzform verweist allerdings auch auf den Umstand, dass etliche der Veranstaltungen dazu an einem Montag stattfinden werden. Weiters steht MONT.AG für den Anfang von etwas Neuem. Es ist das MuseumNEU, welches im heurigen Jahr einen entscheidenden Realisierungsschritt erfahren wird.

MONT.AG.BILDER

Noch vor Beginn der Architekturgespräche 2010 verschicken wir – immer an Montagen – erhellende Diskussionsimpulse zu Architektur. Es sind die so genannten MONT.AG.BILDER – also knapp kommentierte Beispiele ausgezeichneter Architektur, aus nahe gelegenen Alpenregionen, die aufzeigen sollen, dass und wie überzeugende Architektur gelingen kann: in einem historisch sensiblen Architekturumfeld, im Spannungsfeld zwischen altem und neuem Bauen, im alpinen Raum, in zentrumsnahen Bereichen. Die MONT.AG.BILDER sollten nicht nur den Blickhorizont auf gelungene Architektur im Alpenraum erweitern, die Beispiele sollten auch die Architekturdiskussion im Montafon anregen.

MONT.AG.FRAGEN

Weiters stellen wir Wissensfragen zu konkreten architektonischen Aspekten – die MONT.AG.FRAGEN. Ebenfalls immer an Montagen. Dafür braucht man jedoch kein lexikalisches Wissen, auch keine architektonische Kompetenz, sondern lediglich ein wenig Interesse an den gegenwärtigen Entwicklungen rund um das MuseumNEU. Nach Abschluss der Frageserie können sämtliche Antworten bei uns abgegeben werden. Drei themennahe Anerkennungspreise werden vergeben. Analog zu unseren MONT.AG.BILDERN versenden wir auch unsere MONT.AG.FRAGEN per Rundmail. [Bitte geben Sie uns Ihre Mailadresse bekannt, falls Sie Interesse an diesen Fragen haben]. Für Interessierte ohne Mailanschluss drucken wir die Bilder und Fragen gern zur Mitnahme im Museum aus.

MONT.AG.TREFF

Nicht zuletzt gibt es einmal monatlich die Gelegenheit, sich vor Ort, nämlich im Heimatmuseum, zu informieren und auszutauschen – beim MONT.AG.TREFF. Immer am letzten Montag des Monats, erstmals am Montag, den 29. März, um 10 Uhr, in der Museumsstube. Dazu können Fragen ebenso mitgebracht werden wie Anregungen oder einfach die Lust, mit jemandem vom Museumsteam über Architektur zu reden. Der jeweilige Planungsstand des MuseumNEU kann dabei eingesehen werden. Zudem kann in interessanten Publikationen zu aktuellen Architekturthemen geschmökert werden. Bis dahin werden wir nämlich einige Bücher im Museum auflegen, die eine Einordnung unseres Projekts MuseumNEU in einen größeren architektonischen Zusammenhang ermöglichen sollten. Dazu gehören Informationen über Architekten, über neues Bauen im alpinen Raum, über Museumsbauten und andere Themen.

(Bruno Winkler)

11. März 2010

Vertrag Illwerke-Montafon

Einige aktuelle Medienbeiträge (orf.at und vol.at) zum Thema:

Neuer Vertrag am Tisch
Montafon – Der neueste Entwurf jenes Vertragswerks zwischen Illwerke und Montafon, das in der Vergangenheit als „Knebelvertrag“ für Schlagzeilen sorgte, wurde nun von der Illwerke- Rechtsabteilung fertiggestellt. Das Vertragswerk liegt den VN vor.
Zwei statt vier Millionen Euro
Anders als in früheren Entwürfen wird die Zahlung an keine konkrete Gegenleistung der Montafoner Gemeinden geknüpft. Vor allem die Verbindung von Millionenzahlungen mit positiven Abstimmungsergebnissen und die in einem frühen Vertragsentwurf geforderte Beeinflussung von Medien und Dorfbewohnern zugunsten von Bauprojekten hatte in den vergangenen Wochen für herbe Kritik von außen gesorgt. Der neue Vertragsentwurf, der den Montafoner Bürgermeistern bereits vorliegt, beinhaltet eigentlich lediglich drei wichtige Punkte.
- Die Illwerke bezahlen den Montafonern für die Erduldung von Nachteilen, also Verkehrsbehinderungen oder Tourismus- Einschränkungen, zwei Millionen Euro.
- Die Überweisung erfolgt dann, wenn die Baubeschlüsse der Illwerke gefasst sind, vermutlich bis Ende dieses Jahres.
- Explizit von der Vereinbarung ausgeschlossen ist das große Bauprojekt Obervermuntwerk II.
Darüber soll später eine neue Vereinbarung getroffen werden.Und im Rahmen einer solchen Vereinbarung könnte, nach Auskunft von Landesrat Siegmund Stemer, zukünftig auch ein ähnlicher Betrag fließen. Denn die bisherige Vereinbarung umfasste bekanntermaßen vier Millionen Euro, die im Verlauf von zehn Jahren an das Montafon fließen sollten. Stemer betont, man habe sich die Kritik zu Herzen genommen: „Die eine oder andere Formulierung war in der Vergangenheit nicht glücklich – und jetzt ist das Vertragswerk einwandfrei. Es fällt auch niemandem ein Stein aus der Krone, wenn man Kritik und Anregungen berücksichtigt.“ Er sieht nun eine „einwandfreie, partnerschaftliche Vereinbarung“, die für ihn „eine Art indirekten regionalen Finanzausgleich“ darstelle. Illwerke- Vorstand Ludwig Summer ließ den neuen Vertrag auch vom renommierten Wiener Verfassungsrechtler Bernd- Christian Funk beurteilen. In einem Zwischenbericht zum Gutachten spricht der Experte von einem „Good- Will- Vertrag“, der mit Vorarlberger und österreichischen Gesetzen und auch Europarecht vereinbar sei. „Die Gemeinden werden zu keinem Verhalten verpflichtet, welches sie mit der Wahrnehmung öffentlich- rechtlicher Obliegenheiten in Konflikt bringen könnte“, schreibt der Rechtswissenschafter vom Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien. Zudem würden die Gemeinden weder zu materiellen Gegenleistungen verpflichtet „noch in ihrer Freiheit bei der Erfüllung ihrer Aufgaben oder Geltendmachung ihrer Rechte und Interessen beschränkt“. Der Abschluss des Vertrages bedarf laut Professor Funk keines Beschlusses des Gemeinderates: „Der Bürgermeister kann den Vertrag alleine abschließen.“
Montafoner reagieren positiv
Burkhard Wachter (FPÖ), Bürgermeister Vandans
Ich kann diese lose gestaltete Neuvereinbarung für die Gemeinde Vandans sehr gut unterstützen. Es gibt keine substantiellen Verpflichtungen für die Kommune und eröffnet neben der einmaligen Chance für alle Gemeinden im Montafon zu Geld zu kommen darüber hinaus der gesamten Talschaft neue Möglichkeiten für weitere Übereinkommen.
Dr. Erwin Bahl (ÖVP), Bürgermeister Schruns
Die Vereinbarung entspricht den Bestimmungen des Privat- als auch des öffentlichen Rechts, insbesondere dem Gemeinderecht. Dies war auch immer beabsichtigt. Mit der raschen Vorlage erübrigen sich nun auch alle weiteren Spekulationen. Für das Montafon bietet sich jetzt eine große Chance, wichtige Talschaftsprojekte voranzutreiben.
Arno Salzmann (SPÖ), Bürgermeister St. Gallenkirch
Im neuen Vertrag wurden alle, für Außenstehende zum Teil verfänglichen, Formulierungen überarbeitet. Für uns Gemeinden ist diese Vereinbarung ein Segen. Für künftige Bauprojekte gilt es getrennt, unter Partnern, zu verhandeln. Nur durch einstimmige Beschlüsse im Stand Montafon sollen nachhaltige Talschaftsthemen Unterstützung erfahren.

"Ein Ausgleich für die Montafoner Erschwernisse"
Illwerke- Vorstand Ludwig Summer über den neuen Montafon- Vertrag.
Das vorliegende Dokument ist die unspektakulärste Variante. Sie bezahlen freiwillig zwei Millionen, um Nachteile aufzuwiegen.

SUMMER: An der ursprünglichen Variante wurden verschiedentlich Kritik und Bedenken geäußert. Wir wollten dem in allen Punkten Rechnung tragen. Alle umstrittenen Punkte sind nicht mehr Teil der Vereinbarung. Uns ging es im Geist der Vereinbarung nie um etwas anderes als um das, was der jetzige Entwurf darstellt: dem Montafon einen Ausgleich für Nachteile oder Erschwernisse zu geben. Wir bauen jetzt im Montafon seit 2003 durchgehend an Großvorhaben – und werden an Obervermunt II bis 2018 bauen. Damit sind Einschränkungen – wie ein Einfluss auf Verkehr und Tourismus unbestreitbar vorhanden.

Warum 2 statt 4 Millionen?

SUMMER: Es ist ja so: Wir haben in Punkt II eine Klausel, in der wir auf das zukünftige Obervermuntwerk II hinweisen. Es wäre also nicht denkunmöglich, dass später eine weitere Partnerschaftsvereinbarung kommt ...

... um weitere zwei Millionen zu bezahlen?

SUMMER: Wir sind jedenfalls bereit, später erneut zu verhandeln.

Der Gutachter sagt „Good Will“ – also irgendwie eine Vereinbarung aufgrund Ihrer Großzügigkeit. Verzichten Sie auf eine Gegenleistung?

SUMMER: Es ist in der E- Wirtschaft üblich, Belastungen abzugelten, wenn sie über einen so langen Zeitraum andauern. Das haben wir auch beim Kopswerk II gemacht, auch da haben wir der Gemeinde Gaschurn unwägbare Belastungen abgegolten.

Wie hoch war die Abgeltung damals an Gaschurn?

SUMMER: Das kann man nicht vergleichen, weil mehrere Punkte beinhaltet waren. Aber die reine Abgeltung war in einer ähnlichen Größenordnung wie die im vorliegenden Vertragsentwurf.

Der Vertragsentwurf ist nur einige Tage vor der Gemeindewahl fertig.

SUMMER: Ja. Nachdem uns ja vorgeworfen wurde, wir würden absichtlich die neue Vereinbarung erst nach den Gemeindewahlen öffentlich machen, war es mir ein Anliegen, auch diesen Vorwurf zu entkräften. Wir legen unsere Intention vor der Wahl offen.

Müssen die Bürgermeister auch vor der Wahl unterschreiben?

SUMMER: Natürlich nicht. Es gibt von uns in keiner Weise ein zeitliches Limit. Und der Vertrag ist so formuliert, dass er auch in Kraft tritt, falls eine Gemeinde nicht beitreten wollte.

Hand aufs Herz: die wievielte Vertragsversion ist die vorliegende nun?

SUMMER: (lacht) Die Anzahl kann ich Ihnen gar nicht sagen, aber wenn man die erste Vereinbarung mit einbezieht – hat es mittlerweile eine ganze Reihe an Entwürfen gegeben. Und ich lege Wert darauf, dass es immer nur Entwürfe waren.

Landtagsparteien mit neuem Vertrag zufrieden
Die neue Version einer Partnerschafts-Vereinbarung zwischen den Illwerken, dem Stand Montafon und den Montafoner Gemeinden hat am Mittwoch im Landtag die Zustimmung aller Parteien gefunden.

Die Gemeinden des Tales sollen laut Vertrag zwei Millionen Euro als Entschädigung etwa für Verkehrsbehinderungen oder Tourismuseinschränkungen durch neue Illwerke-Projekte bekommen. Auf konkrete Gegenleistungen wird verzichtet.

Die neue Version findet die Zustimmung aller Landtagsparteien. Diskutiert wurde im Landtag über die Debatte über den Vertrag in den vergangenen Wochen.

Der Grüne Klubobmann Johannes Rauch hatte den ursprünglichen Entwurf als Knebelvertrag bezeichnet. Darauf habe man ihn angeschafft, sich aus dem Montafon herauszuhalten, so Rauch. Er fühle sich als Landtagsabgeordneter aber für ganz Vorarlberg zuständig und werde sich auch in Zukunft den Mund nicht verbieten lassen.

Landesrat Siegmund Stemer (ÖVP) hatte Rauch vor Wochen noch als "völlig von der Rolle" bezeichnet. Nun räumte Stemer ein, dass Rauchs Kritik zum Teil berechtigt gewesen sei.

Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) sagte, dass die Vereinbarung optimiert worden sei. Dass es zunächst um die Knebelung der Gemeinden gegangen sei, wies er zurück. Wer die Montafoner Bürgermeister kenne, wisse, dass sich diese nicht knebeln lassen.


1. März 2010

VLA: St. Gallenkircher Beichtregister

Archivale des Monats März: St. Gallenkircher Beichtregister 1610 und 1613

"Zu den Vorbereitungen auf die Osterfeier zählte die Verpflichtung, während der vorangehenden Buß- oder Fastenzeit die Beichte abzulegen. Um die vollständige Teilnahme der zum Kommunionsempfang zugelassenen Ortsbevölkerung zu überprüfen, legten die Pfarrer Register an, die heute wertvolle familien-, namen- und sozialgeschichtliche Quellen darstellen.

Zu den ältesten erhaltenen Unterlagen dieser Art in Vorarlberg zählen die beiden St. Gallenkircher Beichtregister von 1610 und 1613, die von den Pfarrern Johannes Vonbank und Johann Reich angelegt wurden. Ein Vergleich der beiden Verzeichnisse veranschaulicht unter anderem, dass sich feststehende Personenbezeichnungen und Familiennamen um diese Zeit erst ausbildeten. Die ältere Liste enthält zahlreiche Namen wie das „gschwollen Madlini“, der „krumme Schneiderbub“, die „grüselich Meigga“, der „Schöblig“, das „Schmölleli“, das „Pfözi“, Jakle Netzer und „sein Gagi“ oder Hans Gafanesch und „sein Klocker“. (Hoffentlich war damit nicht seine Frau gemeint). Das drei Jahre später angelegte Verzeichnis hingegen führt dieselben Personen großteils mit heute noch bekannten Familiennamen an, bei denen die Netzer, Sander und Viel vorherrschten. Die bei weitem beliebtesten weiblichen Vornamen bildeten Maria und Anna. Jede dritte Frau hieß so. Sehr häufig wurden Mädchen auch "Barbla" (Barbara) und „Threina“ (Katharina) genannt. Bei den Männern trugen mehr als 40 Prozent entweder den Namen Christian oder Hans. Sehr viele hießen auch Jörg (Georg), Peter oder Jakob.

Geht man davon aus, dass die Zahl der Kinder oder Nicht-Kommunikanten etwa ein Drittel ausmachte, ergibt sich aus den Beichtregistern für die Pfarre St. Gallenkirch zu Beginn des 17. Jahrhunderts die beträchtliche Zahl von ungefähr 1.200 Einwohnern.

Manfred Tschaikner

VLA: Vogteiamt Bludenz 157/3299 und 157/3300.

Literatur:

Manfred Tschaikner, Das St. Gallenkircher Beichtregister von 1613, in: Bludenzer Geschichtsblätter 95+96 (2010). Im Druck"

20. Februar 2010

Zutrittsbegrenzung für Skipisten

In der Wintersaison herrscht nicht nur auf den Skipisten, sondern auch in den unfallchirurgischen Abteilungen der Krankhäuser Hochsaison. Die Grünen sehen überfüllte Pisten als eine Ursache für viele Unfälle.

Liftkapazität in 30 Jahren verdreizehnfacht
Immer bessere und schnellere Lifte befördern immer mehr Menschen vom Tal auf den Berg. Laut Katharina Wiesflecker von den Grünen hat sich die Liftkapazität in Vorarlberg von 1960 bis 1990 fast verdreizehnfacht.
Im Tourismuskonzept von 1992 war dann laut Wiesflecker die Rede davon, dass der Zuwachs an Liftkapazitäten zu stoppen sei. Doch das habe nichts genützt: Von 1990 bis 2005 sei die Liftkapazität im Land um noch einmal 23 Prozent gesteigert worden, so Wiesflecker.

Grüne lehnen zusätzliche Pisten ab
Dem Ruf von Seilbahnmanagern nach zusätzlichen Pisten will Wiesflecker nicht folgen: "Bezogen auf die Fläche weist Vorarlberg die größte Dichte an Skigebieten im gesamten Alpenraum auf", sagt Wiesflecker.
Also müsse man darüber reden, die Zahl der Personen pro Skigebiet zu beschränken, so die Grünen
Tagestouristen gehörten über die Situation informiert, meint Wiesflecker: "Auf der Autobahn Richtung Montafon und Arlberg sollte mit einer Informationstafel elektronisch angegeben werden, wo noch Kapazitäten frei sind."

Zusatzversicherung für Wintersportler?
Außerdem sei zu fragen, ob man Risikosportler nicht verpflichten müsste, eine Zusatzversicherung abzuschließen, so Wiesflecker. Das könnte das mit Kostensteigerungen kämpfende Gesundheitssystem entlasten.
Ob dann wirklich jeder Skifahrer als Risikosportler zu bewerten sei, wo die Grenze zwischen "normalem Sport" und Risikosport zu ziehen sei, das müsste laut Wiesflecker von Experten definiert werden.

14. Februar 2010

Montafoner Projekte vom "Tiroler Wissenschaftsfonds" gefördert

Erfreulicherweise wurden heuer zwei Montafoner Projekte vom TWF genehmigt:
  • Montafoner Lebenswelten im 20. Jahrhundert - Zusammenführung und Auswertung der ZeitzeugInneninterviews im Montafon Archiv
    MMag. Edith Hessenberger, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie
  • Die soziale Schichtung der frühneuzeitlichen Gesellschaft im Montafon
    MMag. Michael Kasper, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie
Insgesamt wurden 105 Anträge von Angehörigen der Universität Innsbruck beim TWF eingereicht, wovon 59 Projekte gefördert werden konnten. 43 dieser Forschungsvorhaben wurden von NachwuchswissenschaftlerInnen eingebracht, 16 von arrivierten Forscherinnen und Forschern. Insgesamt standen 366.030 Euro zur Verfügung, wovon knapp drei Viertel dem Nachwuchs zugute kommen.

Vgl. den Bericht am iPoint der Universität Innsbruck.

Umstrittener Vertrag wird überarbeitet

Bericht zum Thema auf vol.at:

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Tagelang war heftig um den zwischen den Illwerken und dem Stand Montafon vereinbarten Deal gestritten worden. Jetzt steht fest: Das Vertragswerk, von Kritikern als inakzeptabler Knebelvertrag bezeichnet, wird geändert. Das sagte Landesrat Siegi Stemer gestern auf VN- Anfrage: „Dieser Vertrag wird massiv überarbeitet, dieser Vertrag wird auf völlig neue Füße gestellt.“ Welche Änderungen sind angedacht? „Man wird die Sache so ändern, dass sie rechtskonform ist und nicht mehr kritisierbar oder interpretierbar.“

„Gravierende Änderungen“

Es müsse nun alles nochmals hinterfragt werden, gewisse Formulierungen würden gravierend geändert. Heißt das, dass Stemer den umstrittenen Vertrag inzwischen nicht rechtskonform nennt? „Nein. Das heißt, dass manche Passagen dieses Entwurfs, die entsprechend interpretiert wurden, jetzt eben nicht mehr verwendet werden.“ Denn gerade jene „Interpretationen der vergangenen Tage haben diese gründliche Überarbeitung notwendig gemacht.“ Stemers Kritik: „Es ist vieles an Unwahrheit gesagt worden. Der Herr Rauch hätte den Herrn Summer nur kurz anzurufen gebraucht, schon hätte er gewusst, dass es nie einen Sideletter gegeben hat.“ Wiewohl nun das Vertragswerk geändert wird, steht die Entschädigung für das Montafon laut Stemer nicht in Frage: „Es ist vollkommen normal, das der Stand Montafon mit dem Bauherrn Illwerke eine Vereinbarung trifft. Das Geben eben und Nehmen hat ja seine Berechtigung.“ Illwerke- Vorstandsdirektor Christof Germann bestätigt: „Das war bis jetzt ein Entwurf. Jetzt geht es darum, darauf zu schauen, dass der endgültige Vertrag allen Anforderungen der österreichischen Rechtsordnung entspricht.“ In den nächsten Wochen solle ein endgültiger Vertragsentwurf vorliegen, sagt Germann.

Rauch bleibt skeptisch

Der Klubobmann der Grünen, Johannes Rauch, bleibt skeptisch: „Ich halte dieses Vertragswerk für nicht reparierbar, weil der Kern verfassungs- und rechtswidrig ist.“ Soll heißen? „Man kann Gemeinden nicht ihre Rechte abkaufen.“ Man werde nun beraten, welche weiteren Schritte zur Überprüfung dieses Vorgangs eingeleitet werden können. Eine Entschädigung über den Wasserzins erscheine ihm jedenfalls wesentlich sinnvoller. Eben diesen Weg hatte zuvor FPÖ- Landeschef Dieter Egger gefordert: „Ich schlage vor, dass die Montafoner Gemeinden mindestens die Hälfte des Wasserzinses, den die Illwerke jährlich für die Nutzung des Montafoner Wassers an das Land Vorarlberg zahlen, erhalten.“ Dies wären 350.000 bis 400.000 Euro pro Jahr, „eine faire und transparente Lösung“, die helfe, wichtige Infrastrukturprojekte in der Talschaft mitzufinanzieren. „Und dann“, sagte Egger, „wären auch keine unmoralischen Knebelverträge mehr notwendig.“ Die Überarbeitung sei höchste Zeit: „Alles, was Rechte in einem ordentlichen Verfahren einschränkt, ist in einem Rechtsstaat inakzeptabel.“ Was aber sagen die Verantwortlichen zu diesem Wasserzins- Modell? Stemer lehnt es ab, da man es schon „x- fach diskutiert und jedesmal wieder verworfen“ habe. Standesrepräsentant Erwin Bahl hält das Modell dagegen für diskussionswürdig, kritisiert aber nach wie vor auch Rauchs Vorgangsweise: „Er zitiert aus einem internen Mailverkehr. Ich überlege mir weitere Schritte.“ Was ist nun mit dem urprünglichen Vertrag? „Es ist immer nur ein Entwurf gewesen, es hat nie ein endgültiger Vertrag vorgelegen.“ Nun habe man den Entwurf so zu adaptieren, dass er eines sei: „Rechtlich einwandfrei.“

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5. Februar 2010

Illwerke-Knebelung

Illwerke-Knebelungsvertrag im Montafon! (Harald Walser)

Brauchen wir eigentlich noch Gemeindevertretungswahlen, wenn in Knebelungsverträgen die Möglichkeiten von gewählten VolksvertreterInnen von vorneherein ausgeschaltet werden? Kann es sein, dass mit einem zivilrechtlichen Vertrag die Grundrechte der Gemeindevertreter außer Kraft gesetzt werden?
Es ist schon mehr als nur seltsam, was da im Montafon abläuft: Die Vorarlberger Illwerke wollen in den kommenden zehn Jahren vier Millionen Euro an die Montafoner Gemeinden bezahlen. Im Gegenzug verlangt das landeseigene Unternehmen die schriftliche Zusicherung aller Gemeinden, dass sie bei zukünftigen (Groß-)Projekten auf Einsprüche verzichten. Unser Landessprecher Johannes Rauch ist der einzige Landespolitiker, der klar und deutlich sagt, was Sache ist: „Ich halte das für verfassungswidrig.“
Nur einige Passagen aus dem Vertrag: „Der Stand Montafon und die Gemeinden verpflichten sich, sich der Unterstützung von allfälligen Organisationen und Bürgerinitiativen, die (...) Projekte der Illwerke verhindern oder verzögern wollen, zu enthalten.“ Vielmehr solle dafür Sorge getragen werden, „dass die Bevölkerung (...) sowie die Medien von der Sinnhaftigkeit der Projekte überzeugt werden“.
SPÖ und FPÖ trauen sich wieder einmal nicht, gegen das Energieunternehmen aufzutreten und meinen, eine Kooperation sei prinzipiell „sinnvoll“. Ihnen sei ins Stammbuch geschrieben: Gegen Kooperationen hat niemand etwas, gegen Knebelungsverträge aber sehr wohl!

Wie man ein ganzes Tal günstig kauft (Johannes Rauch)

Nennen tut sich das ganze "Partnerschaftsvereinbarung", abgeschlossen zwischen den Vorarlberger Illwerken (ein Landesunternehmen, wohlgemerkt...), dem Stand Montafon (so eine Art Gemeindeverband für das Montafon, aber eben nur "so eine Art", weil der Rechtsstatus ungeklärt ist) und sämtlichen Montafoner Gemeinden.
Sein tut es nichts anderes, als ein Blankoscheck für die Illwerke für die nächsten 10 Jahre. Die Gemeinden verpflichten sich - im Voraus und ohne die Projekte im Detail zu kennen - auf sämtliche Einsprüche in allfälligen Verfahren zu verzichten, Grundstücke, wenn sie gebraucht werden, herzugeben und auf keinen Fall Bürgerinitiativen zu unterstüzten, die sich allenfalls gegen bestimmte Projekte zur Wehr setzen.
Dass sich die Illwerke Wohlmeinung und Wohlverhalten der Gemeinden und des Standes geradezu erkaufen, wird nämlich imPunkt 6 der Vereinbarung deutlich, mit dem den Gemeinden untersagt wird, „Organisationen und Bürgerinitiativen zu unterstützen, die Projekte der Illwerke verhindern oder verzögern wollen“, und sie dazu verpflichtet werden, dafür „Sorge zu tragen, dass die Bevölkerung im Allgemeinen und die Gemeindebürger im Einzelnen sowie die Medien von der Sinnhaftigkeit der Projekte überzeugt werden.“

Wer es nicht glauben kann, lese nach:
partnerschaftsvereinbarung-viw (pdf, 555 KB)

Gemeinden sollen auf Einsprüche verzichten

Zur Partnerschaftsvereinbarung zwischen Illwerken und den Montafoner Gemeinden soll es erst nach der Gemeindewahl kommen. Der Verzicht auf Einsprüche soll mit Geld abgegolten werden - ein Knebelvertrag? Vier Millionen Euro innerhalb von zehn Jahren planen die Illwerke dem Stand Montafon zukommen zu lassen, wenn bei Bauprojekten keine über die Behördenverfahren hinausgehende Einwendungen gemacht werden.

Kritik an Landeshauptmann Sausgruber
Für die Grünen ist die geplante Vereinbarung ein Knebelvertrag und deshalb stellten sie eine parlamentarische Anfrage an Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP).
In der Beantwortung schreibt Sausgruber, dass es noch keinen endgültigen Vereinbarungsentwurf gibt und deshalb Detailfragen nicht beantwortbar sind. Außerdem werde es zu einem Abschluss erst nach dem 14. März kommen.
Grünen-Chef Johannes Rauch ist empört, dass auf keine seiner Fragen eingegangen wurde. So etwas sei ihm in seiner zehnjährigen Tätigkeit im Landtag noch nie untergekommen, ärgert sich Rauch.
Zudem sei es falsch, dass es keinen Vereinbarungsentwurf mit Zusatzvereinbarung gäbe. So lasse er sich nicht abspeisen und plant deshalb eine zweite Anfrage einzubringen, sagt Johannes Rauch.

Vergleiche dazu auch folgenden Lins:

http://vorarlberg.gruene.at/landtagsanfragen/artikel/lesen/55035/

30. Januar 2010

Lehrermangel auf der Skipiste

"Es war eine schöne Saison, aber den Job kann ich mir nicht leisten." Diesen Satz hört Paul Romagna, Leiter der Schneesportschule Golm, immer öfter. "Es wird immer schwieriger, gutes Personal zu bekommen", sagt der erfahrene Skilehrer. 70 Lehrerinnen und Lehrer hat Romagna im Pool, 35 davon sind Stammpersonal. Wie in Vorarlberg üblich, sind sie neue Selbstständige, müssen sich selbst versichern und sind einkommenssteuerpflichtig.

Verschärfend im Montafon: Skilehrer müssen auch noch 200 Euro für die Saisonkarte hinblättern. „Das entspricht einer Preiserhöhung von 70 Prozent, das ist vollkommen absurd", schimpft Romagna. "Muss einer noch ein Quartier zahlen oder hinaus ins Rheintal pendeln, bleibt ihm nichts." Im Vorjahr habe die Skischule noch die Kosten übernommen, "bei diesen Preisen geht das aber nicht mehr", sagt Romagna. "Jeder schaut nur mehr auf sich", sieht Erich Melmer, Obmann des Vorarlberger Skilehrerverbands, die „jahrelange gute Zusammenarbeit" mit den Seilbahngesellschaften schwinden. "Dieser Hickhack bringt doch nichts, aber das kapieren die Montafoner nicht." Im Klostertal, wo Melmer daheim ist, fahren die Skilehrer - wie auch am Arlberg - gratis.

Waren es früher Landwirte, Bergführer, Handwerker, die als Skilehrer arbeiteten, sind es heute junge Menschen, die sich zwischen Schulabschluss und Studium ein, zwei Saisonen auf der Piste geben. Melmer, Vertreter von aktuell 2300 Vorarlberger Skilehrern, räumt zwar ein, dass "von diesem Beruf nur noch wenige leben können", will vom Modell der selbstständigen Skilehrer aber nicht abgehen. "Jeder Skilehrer ist Gesellschafter seiner Skischule, dadurch schaut auch jeder, dass das Geschäft läuft."

Skilehrer nach Kollektivvertrag anzustellen wie in der Steiermark, in Salzburg, Teilen Tirols oder Kärnten lehnt Melmer ab: "Unser System der Skischul-Gesellschaften bewährt sich seit 70 Jahren." Würde er seine Skilehrer anstellen, müsste er die Skikurs-Preise um 25 Prozent erhöhen, die Gruppen vergrößern, sagt Paul Romagna. "Die Qualität wäre dann im Keller, die Gäste würden nicht mehr mitspielen."

Ein starres System verhindere zudem flexible Dienstleistungen. Heute wären Skilehrer auf Abruf gefragt. "Man ruft aus der Hotelrezeption an, und in einer Stunde ist der Skilehrer da", sagt Romagna, "am Montag Kurseinteilung, am Freitag Gästerennen, und die Woche ist gelaufen - das spielt es nicht mehr. Die Gäste buchen immer kurzfristiger." (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 30./31. Jänner 2010)


16. Januar 2010

Geschichte des Montafons

Riesenandrang im Sternensaal der Schrunser Pfarre St. Jodok bei der Präsentation des zweiten Bandes der Montafoner Geschichte. Herausgeber Robert Rollinger konnte neben einigen der 13 Autoren zahlreiche Interessierte wie die Bürgermeister Erwin Bahl, Herbert Bitschnau sowie Lothar Ladner, Martin Vallaster und Rudi Lerch und Landesrat Siegi Stemer sowie Standessekretär Johann Vallaster begrüßen. Unter der Regie des unermüdlichen Andreas Rudigier sorgte das Team vom Stand Montafon für ein tolles Ambiente, welches kulinarisch vom Verein bewusstmontafon und musikalisch von den Freiburger Spielleyten mit Musik aus dem Mittelalter untermalt wurde. Raphaela Rudigier führte charmant durch die Veranstaltung und Bernarda Gisinger machte mit ihren Leseproben aus dem interessanten Geschichts-Band Lust zum Lesen.


Spannend zu lesen
Mit dem zweiten Band der Reihe „Das Montafon in Geschichte und Gegenwart“ beginnt eine historische Gesamtschau des Tals und seiner näheren Umgebung, die von der Steinzeit bis zum Ende des Mittelalters reicht. Zahlreiche Wissenschaftler stellen darin ihre aktuellen Forschungsresultate vor. Allerdings nicht hochwissenschaftlich, sondern für jeden Interessierten spannend zu lesen. Insgesamt sind in dem Band 13 Beiträge versammelt, die entweder das historische Geschehen in chronologischer Abfolge aufzeigen oder thematisch angelegte Einzelaspekte einer vertiefenden Betrachtung unterziehen. Allen Beiträgen gemeinsam ist das Bemühen, das Geschehen in der heute als Montafon bezeichneten Talschaft jeweils vor dem Hintergrund überregionaler Entwicklungen zu betrachten.

Zeitreise
Vier Beiträge setzen sich mit den Verhältnissen in prähistorischer und römischer Zeit auseinander. Neueste archäologische Forschungsergebnisse werden in eine Gesamtschau eingebettet, die in dieser Form bis vor wenigen Jahren noch kaum denkbar gewesen wäre. Dabei wird die ältere Siedlungsgeschichte des Tals auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Drei Beiträge öffnen den Blick für die nachfolgenden Epochen des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Geschichte von Herrschaft und Politik wird ebenso behandelt, wie das Augenmerk auf Siedlungsvorgänge, Organisationsformen, Wirtschaft, Kirche und Geistlichkeit sowie geistesgeschichtliche Veränderungen und Innovationen gelenkt wird.

Lesebuch und Nachschlagewerk
Schließlich sind mehrere Beiträge thematischen Einzelthemen gewidmet: Gerichtsbarkeit, Spuren mittelalterlicher Architektur, die Burgenarchäologie des Tals (Diebschlössle und Valcastiel), eine kleine mittelalterliche Kunstgeschichte sowie die neuesten archäologischen Untersuchungen im Refektorium des Klosters St. Peter. Kurzzusammenfassungen am Beginn aller Beiträge bieten der Leserin und dem Leser eine rasche Orientierung. Ein umfangreiches Register erschließt die Beiträge. Die prachtvolle Ausstattung garantiert Lesevergnügen. Der Band erfüllt somit mehrere Funktionen. Er ist nicht nur ein wissenschaftlich fundiertes Nachschlagewerk auf dem neuesten Stand der Forschung, sondern auch ein anregendes und unterhaltsames Lesebuch für alle an der Geschichte des Tals Interessierten und nicht zuletzt ein hervorragendes Weihnachtsgeschenk. Nicht nur für Montafoner.

Ein Kardinal kehrt heim

Christoph Schönborn erinnerte sich im Heimatmuseum Schruns an seine Zeit im Montafon

Ein Sohn kehrt heim. Bevor Kardinal Christoph Schönborn auszog, um als einfacher Bauer im Weinberg des Herrn zu dienen, genoss er seine Jugend im Montafon und in Bludenz. Jetzt war er wieder zu Hause. Im Gespräch mit TV-Journalist Adi Fischer sprach der Kardinal im Montafoner Heimatmuseum Schruns über das Thema „Heimat“. Ausführlich. Amüsant. Ernst. Nachdenklich. Rückblickend. Visionär. Religiös.


Erinnerungen
Der Kardinal erinnerte sich beispielsweise daran, wie er als Kind einst im Heuhaufen der Marents (Nachbarn) spielte, oder unter Bertram Jäger in der Bludenzer Heilig-Kreuz-Kirche ministrierte. Für ihn bedeute Heimat schlicht und einfach Schruns. „Ich erinnere mich noch genau an jenem Karfreitag 1951, an dem wir auf unserer Flucht in Schruns angekommen sind. Ich habe alles vor Augen, den Duft von damals in der Nase. Wir waren acht Personen und hatten eine Wohnung in der Flurstraße. Zwei Zimmer, zwei Kammern und eine Küche. Aber es kam mir riesig vor. Und dann sagte meine Mutter diesen Satz: Jetzt haben wir endlich eine eigene Wohnung.“

Spannendes Leben
Adi Fischer genoss das Gespräch mit Schönborn sichtlich und das lockere Gespräch streifte den bevorstehenden Wiener Wahlkampf genauso („Es wird eine Schlammschlacht werden!“), wie die Minarette-Debatte oder den Schönborn Beitrag in der New York Times mit dem er ganz bewusst in Kauf nahm, angegriffen zu werden. „Fehlinterpretationen muss man in Kauf nehmen, wenn man etwas pointiert formuliert“, meinte er kurz dazu.
Dass das Leben von Kardinal Schönborn ganz schön spannend ist, zeigen allein ein paar Stichworte: Flüchtlingskind. Aus einer starken Familie. Mit mehreren Bischöfen und zwei Kardinälen. Jugend im Montafon verbracht. In der Schweiz gelebt, Erzbischof von Wien. Vatikan-Hoffnung mit Papst-Qualitäten. Aber wussten Sie auch, dass der Erzbischof privat mit dem Anti-Baby-Pillen-Erfinder Carl Djerassi befreundet ist. „Passt irgendwie gar nicht zur Kirche. Aber wir haben uns kennen gelernt und kommen gut miteinander klar.“

Schönborn-Fokus
Mit dem gelungenen Gesprächsabend ist der Schönborn-Focus im Heimatmuseum aber noch nicht zu Ende. Am 4. Februar wird der Film „Die Brüder Schönborn. Zwei Künstler und ein Kardinal“ von Claus Singer (Bayerisches Fernsehen) im 19.30 Uhr gezeigt. Darin wird auch der in Schruns geborenen Michael Schönborn (Schauspieler) portraitiert. Philipp Schönborn führt dann am 4. März um 19.30 Uhr durch seine Ausstellung, die am 10. April um 11 Uhr mit einer Wanderung am Innerberg unter der Führung des Künstlers endet. Bis dahin ist die Ausstellung dienstags und samstags 15 bis 18 Uhr im Schrunser Dorfzentrum geöffnet.

2. Dezember 2009

Buchpräsentation Montafon 2

Freitag, 11. Dezember 2009, 17 Uhr
Sternensaal Schruns

Montafon 2: Besiedlung – Bergbau – Relikte.
Von der Steinzeit bis zum Ende des Mittelalters
(Moderierte Buchpräsentation mit Lesung und mittelalterlicher Musik)

Mit dem zweiten Band der Reihe „Das Montafon in Geschichte und Gegenwart“ beginnt eine historische Gesamtschau des Tales und seiner näheren Umgebung, die von der Steinzeit bis zum Ende des Mittelalters reicht. Vertreter der unterschiedlichsten Fachdisziplinen stellen ihre aktuellen Forschungsresultate einer breiten und interessierten Öffentlichkeit vor. Insgesamt sind in dem Band 13 Beiträge versammelt, die entweder das historische Geschehen in chronologischer Abfolge verfolgen oder thematisch angelegte Einzelaspekte einer vertiefenden Betrachtung unterziehen. Allen Beiträgen gemeinsam ist das Bemühen, das Geschehen in der heute als Montafon bezeichneten Talschaft jeweils vor dem Hintergrund überregionaler Entwicklungen zu betrachten. Auf diese Weise werden immer wieder Blicke auch auf die Nachbarregionen geworfen. Denn nur durch den Vergleich kann das mögliche Spezifikum einzelner Ereignisse erkannt und können größere Entwicklungslinien in ihren transregionalen Kontexten herausgearbeitet werden.

Vier Beiträgen setzen sich mit den Verhältnissen in prähistorischer und römischer Zeit auseinander. Neueste archäologische Forschungsergebnisse werden in eine Gesamtschau eingebettet, die in dieser Form bis vor wenigen Jahren noch kaum denkbar gewesen wäre. Dabei wird die ältere Siedlungsgeschichte des Tales auf eine völlig neue Grundlage gestellt. Drei Beiträge öffnen den Blick für die nachfolgenden Epochen des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Geschichte von Herrschaft und Politik wird ebenso behandelt, wie das Augenmerk auf Siedlungsvorgänge, Organisationsformen, Wirtschaft, Kirche und Geistlichkeit sowie geistesgeschichtliche Veränderungen und Innovationen gelenkt wird. Schließlich sind mehrere Beiträge thematischen Einzelthemen gewidmet: Gerichtsbarkeit, Spuren mittelalterlicher Architektur, die Burgenarchäologie des Tales (Diebschlössle und Valcastiel), eine „kleine“ mittelalterliche Kunstgeschichte sowie die neuesten archäologischen Untersuchungen im Refektorium des Klosters St. Peter.

Kurzzusammenfassungen am Beginn aller Beiträge bieten der Leserin und dem Leser eine rasche Orientierung. Ein umfangreiches Register erschließt die Beiträge. Die prachtvolle Ausstattung garantiert Lesevergnügen. Der Band erfüllt somit mehrere Funktionen. Er ist nicht nur ein wissenschaftlich fundiertes Nachschlagewerk auf dem neuesten Stand der Forschung, sondern auch ein anregendes und unterhaltsames „Lesebuch“ für alle an der Geschichte des Tales Interessierten.

Eine Veranstaltung des Standes Montafon in Kooperation mit den Montafoner Museen und dem Kulturverein illlitz (das genaue Programm ist in Arbeit).

12. November 2009

Das Jahr 1809 in der Region

Freitag, 20. November 2009, 16-20 Uhr
Kloster St. Peter, Bludenz (Dominikussaal)

Das Jahr 1809 in der Region: Vorarlberg, Tirol, Liechtenstein und Schweiz. Ein Symposium des Arbeitskreises für interregionale Geschichte

In sieben Referaten werden Historikerinnen und Historiker aus Tirol, Vorarlberg, Liechtenstein und der Ostschweiz Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren jeweiligen Regionen als Folge der Ereignisse um das Jahr 1809 erörtern. Trotz geografischer Nachbarschaft verliefen die Entwicklungen in den obigen Regionen recht unterschiedlich: In Tirol fand unter der Führung von Andreas Hofer eine Revolte gegen die rechtmäßige bayerische Regierung statt. Das ebenfalls unter bayerischer Herrschaft stehende Vorarlberg schloss sich dieser Erhebung jedoch nur halbherzig an, wobei vor allem der Stand Bregenzerwald lange eine neutrale und vorsichtige Haltung einnahm. Im Gegensatz dazu kamen die kampfbereiten Aufständischen, die wiederum die österreichische Herrschaft und ihre verlorenen kommunalen Selbstverwaltungsrechte sowie die Befreiung von Wehrpflicht und dem neuen Steuerwesen anstrebten, zumeist aus dem Oberland.
Es überrascht auch nicht, dass die Unruhen auch auf Liechtenstein übergriffen, das erst 1806 seine Souveränität von Napoleons Gnaden erhalten hatte. Der Bevölkerung dort ging es vor allem um die Wiedererlangung der traditionellen Rechte, denen die Modernisierungsbestrebungen des Fürsten widersprachen. Ein militärisches Eingreifen wagte die Bevölkerung jedoch nicht. In der benachbarten, von Napoleon abhängigen Helvetischen Republik waren 1803 die aufgeklärten und zentralistischen Reformen gescheitert. Die alten aristokratischen Familien und die Kantone übernahmen wieder die Macht. Obwohl in Graubünden einzelne katholische Eliten mit den Tiroler Aufständischen sympathisierten, verhielt sich die Schweiz ruhig, abwartend und neutral, was sich auch auf Vorarlberg beruhigend auswirkte.


Zum Tagungsort: Das Bludenzer Kloster St. Peter Der erste quellenmäßig gesicherte Beweis der Existenz des Klosters St. Peter in Bludenz stammt aus dem Jahr 1286. In einer Urkunde vom 26. Juli überträgt der Bischof von Chur den geistlichen Frauen im Drusental eine Ordnung, die ihr Zusammenleben regelte. Damit ist St. Peter der älteste, mit wenigen Unterbrechungen noch heute bestehende Frauenkonvent Vorarlbergs. Bezugnehmend auf den Tagungsort und seine Thematik ereignete sich im August des Jahres 1796 ein blutiger Zwischenfall, als sich Kreishauptmann Ignaz Anton Indermauer vor den auf Bregenz vorrückenden Franzosen gegen Tirol abzusetzen versuchte. Dies erweckte in Teilen der Bevölkerung den Eindruck des Verrats und er wurde zusammen mit seinen Begleitern innerhalb der Klostermauern misshandelt und ermordet. Im ausgehenden 20. Jahrhundert wurde das Kloster von völlig anderen Gefahren bedroht als Jahrhunderte zuvor: der Personalschwund und die Überalterung der verbliebenen Schwestern führten beinahe zu seinem Ende. So wie die Bludenzer Schwestern in früheren Zeiten das Kloster Cazis in Graubünden neu zu beleben vermochten, war es nun umgekehrt der Fall, dass Cazis zweimal (1985 und 2001) mit einer Personalaushilfe St. Peter zu Hilfe kam und einen Neuanfang ermöglichte.

Die Vorträge im Überblick

Hannes Liener: Moderation

Ellinor Forster: Propagandaschlacht in Tirol. Die Einflüsse der „Kriegsberichterstattung“ auf die Ereignisse 1809
Die Ereignisse des Jahres 1809 waren in großem Ausmaß durch die Flugblätter und Zeitungsartikel geprägt, die jeweils über den vermeintlich aktuellen Stand der Kriegsgeschehnisse Auskunft gaben. Die unterschiedlichen Motive der Schreiber führten zu widersprüchlichen Informationen und machen so manche scheinbar paradoxen Reaktionen der Bevölkerung erklärbar.

Gerhard Wanner: Vorarlbergs halbherziger Widerstand gegen Bayern 1809
Der Vortrag beschäftigt sich kritisch mit den Ursachen des Aufstandes gegen das aufgeklärte Bayern, den gegensätzlichen Einstellungen der Bevölkerung dazu, mit der umstrittenen Führerpersönlichkeit Anton Schneider und mit den Unterschieden zum revolutionären Tirol. Fernab von martialischer Kriegsbegeisterung, Personen- und Heldenkult und „vaterländischer“ Geschichtsverherrlichung gibt der Vortragende einen kritischen Im Gegensatz zum revolutionären Tirol lehnten aufgeklärte und pragmatisch denkende Vorarlberger das militärische Eingreifen gegen Bayern und Frankreich ab. Auch der bürgerliche politische und militärische Führer, Rechtsanwalt Dr. Anton Schneider, mahnte zur Vorsicht und rettete dadurch sein Leben, ganz im Gegensatz zum katholisch-konservativen „Fundamentalisten“ Andreas Hofer.

Fabian Frommelt: 1809 – Aufstand in Liechtenstein?
Im Juni 1809, auf dem Höhepunkt des Aufstands der Tiroler und Vorarlberger gegen die bayerische Herrschaft, kam es in Liechtenstein zu scharfer Kritik an der fürstlichen Obrigkeit, zu unbewilligten Versammlungen, Resolutionen und Forderungen, schließlich zur Drohung, sich den Aufständischen in Vorarlberg anzuschließen. Hintergrund war ein seit dem Zusammenbruch des Alten Reichs (1806) anhaltender obrigkeitlicher Reformschub, der besonders wegen der Beseitigung der überkommenen Mitwirkungsrechte der Untertanen an der Landesverwaltung und einer geplanten Bodenreform auf Widerstand stieß. Das – in der Literatur ebenfalls als „Aufstand“ bezeichnete – Vorgehen der liechtensteinischen Aufrührer war anhaltend, aber gewaltlos.

Georg Jäger: Am Rand der Schweiz. Der Kanton Graubünden 1809
1803 wurde Graubünden definitiv zu einem Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft. Nachdem die Bündner wenige Jahre zuvor ihre italienischen Untertanenlande verloren hatten, sahen sie nun auch die Tradition ihrer Eigenstaatlichkeit beendet. Eine wirksame administrative Integration in den schweizerischen Bundesstaat fand aber vorderhand kaum statt. Die alles überstrahlende – oder überschattende – Vormacht war vielmehr diejenige des „Mediators“ Napoleon. In der Mediationszeit, in dem auf seine Gründung folgenden Jahrzehnt, erfuhr der Kanton Graubünden verschiedene Modernisierungsmaßnahmen. Mit dem Tiroler Aufstand von 1809, der ja unter klerikalem Einfluss stand, sympathisierte in Graubünden besonders die katholische Führungsgruppe. Schüler des Priesterseminars St. Luzi in Chur ließen sich sogar zu einer tollkühnen Aktion hinreißen: Für Andreas Hofer schmuggelten sie Schießpulver und Munition nach Tirol!

Heribert Küng: St. Gallen und Thurgau
Die Vorarlberger Freiheitsbewegung 1809 traf die Ostschweiz inmitten von Staatsumbrüchen (1798, 1803, 1815 ) – und die Schweiz war ein Satellit Frankeichs, das heißt ohne eigenständige Außenpolitik. Dementsprechend ambivalent fielen die Reaktionen der Kantone St. Gallen, Schaffhausen und Thurgau zu den Ereignissen in der Nachbarschaft aus: Symphathien in der Bevölkerung und kritische Kommentare in den Medien, dazu eine schwankende Haltung des ersten wissenschaftlichen Historikers der Schweiz. Als Überraschung muss der hohe Anteil von Vorarlbergern in den vier Schweizer Regimentern bei Napoleon I. gesehen werden, von denen das erste durch den Bündner Obersten Andri Ragettli kommandiert wurde.

Lieselotte Hammerer, Andreas Hammerer: Bayerische Herrschaft im Bregenzerwald
Die bayerische Herrschaft wurde im Bregenzerwald zum Mythos der gehassten Fremdherrschaft, die die Schuld am Ende der alten Verfassung der „Wälderrepublik“ trug. Jedoch ist kein Protest gegen den Abriss des Rathauses auf der Bezegg im Jahre 1807 bekannt. Zum Symbol des Widerstands wurde dagegen der Krumbacher „Weiberaufstand“ im selben Jahr gegen die Rekrutenaushebungen nach dem 1806 eingeführten bayerischen Gesetz der allgemeinen Wehrpflicht. Eine Rolle im Vorarlberger Aufstand von 1809 spielte auch der Schützenmajor und Oberkommandant des Bregenzerwaldes Johann Peter Sutterlüti.

Michael Kasper: Der Kampf um Macht und Geld? Die Rolle der ländlichen Eliten bei der Erhebung 1809
Im Zusammenhang mit den vielfältigen Reformen an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurde der Einfluss und die Macht der ländlichen Oberschicht stark beeinträchtigt. Am Beispiel des Montafons sollen die Situation und die unterschiedlichen Reaktionen der Eliten auf diese Wandlungsprozesse, die im Jahr 1809 besonders deutlich wurden, beleuchtet werden.

Programm Symposium Bludenz 1809-2009

Höhenbergsteigen in der Sowjetunion

Donnerstag, 19. November 2009, 19.30 Uhr
Tschagguns, Altes Gemeindeamt

Höhenbergsteigen in der Sowjetunion.
Franz Bahl erinnert sicht im Gespräch mit Edith Hessenberger an die Besteigung des Pik Korshenewskaja 1983

Im Sommer 1983 reisten Franz Bahl und Hans Rabanser heimlich in die damalige Sowjetunion, um den Pik Korshenewskaja (7105 m) zu besteigen. Das alpinistische Vorhaben wurde im heimatlichen Montafon nicht angekündigt, da die beiden zu sehr eine Blamage im Falle des Scheiterns befürchteten.
Die Besteigung des herrlichen Siebentausenders gelang jedoch – und heute zeigt Franz Bahl gerne die nunmehr historischen Aufnahmen: Mithilfe von Dias und Super8-Filmen erläutert Bahl die für damalige Verhältnisse exotische Reise ins heutige Kirgistan. Beeindruckende Bilder und Filmaufnahmen ermöglichen, die mehr als 25 Jahre zurückliegende alpinistische Reise.

2. November 2009

Textur des Erinnerns

Textur des Erinnerns

Präsentation des Gestaltungskonzeptes für einen Erinnerungsplatz in Silbertal
Freitag, 6. November 09 19.30 Uhr
Vereinshaus Silbertal

Eine Veranstaltung der Geschichtswerkstatt und der Gemeinde Silbertal, in Kooperation mit dem Heimatschutzverein Montafon.

Seit nunmehr zweieinhalb Jahren widmet sich die Geschichtswerkstatt Silbertal der eigenen Dorfgeschichte im Nationalsozialismus. Abschließender und bleiben-der Erinnerungsakzent ist eine neue Interpretation des Kriegsopferdenkmals. Der bisherige Stein wurde entfernt und parallel dazu ein Gestaltungsauftrag vergeben. Nun kann Silbertal das vorliegende Konzept im Rahmen einer öffentlichen Veran-staltung präsentieren: Am Freitag, 6. November, um 19.30 Uhr, im Vereinshaus.

Neue Ansätze und Ideen für eine öffentliche Form des Gedenkens werden in Silbertal bereits seit zwei Jahren diskutiert. Die Geschichtswerkstatt hat in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten eine neue Textebene für die zukünftige Denkmalgestaltung ausgearbeitet und fest-gelegt. Darauf aufbauend, hat ein beauftragtes Gestaltungsteam ein Konzept entwickelt, das nun reif für eine Realisierung ist.

Davor bietet eine öffentliche Präsentation Gelegenheit, das Konzept kennen zu lernen. Die Gartenarchitektin Elisabeth Gruber, Grafiker Reinhold Luger und die Künstlerin Sarah Schlatter werden ihr Konzept vorstellen und erläutern. Es ist ein Konzept, das in mehrfacher Hinsicht Alleinstellungsmerkmale aufweist. Der zukünftige Erinnerungsplatz in Silbertal wird neue Wege aufzeigen, wie auch zwei Generationen nach Krieg und Nationalsozialismus ein seriöses Erinnern und Gedenken möglich ist.

Grundlage des neuen Konzeptes ist kein mächtiges Monument, sondern das Prinzip der Bodennähe. Pflanzenwuchs und Steinplatten sollen örtliches Erinnern gleichsam in den Platz einschreiben. Nicht zuletzt ist eine Klarstellung der Rolle Josef Vallasters im National-sozialismus vorgesehen. Schließlich wird das Erinnerungsspektrum all jene Gruppen erfassen, die im Nationalsozialismus zu Opfern geworden sind - nicht zuletzt im eigenen Dorf.

St. Gallenkircher Flurnamen

Montag, 9. November 2009, 19.30 Uhr

St. Gallenkirch, Hotel Adler (bitte den neuen Veranstaltungsort beachten!)

St. Gallenkircher Flurnamen – Vortrag und Diskussion mit Univ.-Prof. Dr. Guntram Plangg


Der Name St. Gallenkirch scheint in seiner Bedeutung klar verständlich, was aber heißen Gortipohl, Galgenul oder Gargellen? Woher kommen Namen wie Garfrescha, Tramosa, Gweil, Batmunt, Zamang oder viele andere? Oder hätten sie gewusst, dass es auch in St. Gallenkirch ein Kaltenbrunnen gibt? Das ist die Übersetzung des bekannten Namens "Tanafreida". Auf diese und andere Fragen weiß der emeritierte Universitätsprofessor Guntram Plangg eine Antwort und möchte mit einem interessierten Publikum die Herkunft der wichtigsten Flurnamen aus dem großen Gemeindegebiet St. Gallenkirchs diskutieren. Wenn Sie also Fragen haben, dann sind sie an diesem Abend an der richtigen Stelle. Die Ergebnisse der in allen Montafoner Orten durchgeführten oder noch durchzuführenden Vorträge fließen in eine umfassende Publikation zu den Montafoner Orts- und Flurnamen ein.

Anreise mit dem Bus Schruns 19.05 Uhr, Ankunft in St. Gallenkirch um 19.20 Uhr, Partenen ab 18.17 Uhr, Ankunft in St. Gallenkirch um 18.38 Uhr, Rückreise mit dem Bus nicht möglich (nach Schruns sind Rückfahrgelegenheiten möglich, bitte beim Heimatmuseum anmelden)


19. Oktober 2009

Ausstellungsabschluss „Mensch & Berg“

Montag, 26. Oktober 2009, 14-18 Uhr
Montafoner Museen: Bartholomäberg-Gaschurn-Schruns-Silbertal

Ausstellungsabschluss „Mensch & Berg“ mit Kaffee und Kuchen

Alle vier Montafoner Museen in Schruns, Bartholomäberg, Silbertal und Gaschurn bieten Ihnen am Nationalfeiertag eine der letzten Gelegenheiten, die Sommerausstellung „Mensch & Berg“ zu betrachten.


Tauchen Sie ein in die Welten des Frühmessers am Bartholomäberg, der zweifellos den besten Überblick hatte, oder gehen Sie den Spuren Eugenie Goldsterns nach, die von den Nationalsozialisten verwischt werden sollten, dafür aber von der Geschichtswerkstatt Silbertal und den Montafoner Museen umso deutlicher wieder hervorgekehrt wurden; oder besuchen Sie die „Vorhalle zur großen Gebirgswelt“ in Gaschurn, wie es der dortige Protagonist Franz Josef Battlogg so schön formuliert hat; oder kommen Sie nach Schruns, wo die Erinnerungen Montafoner Zeitzeuginnen und Zeitzeugen neben den kunstgeschichtlich wertvollen Dokumenten von Mathias Schmid und E. T. Compton stehen. Oder besuchen Sie am besten gleich alle Häuser!


Karl Blodig

Freitag, 23. Oktober 2009, 19.15 Uhr
Montafoner Heimatmuseum Schruns

Karl Blodig – Ein Porträt zum 150. Geburtstag des Vorarlberger Alpinpioniers
(Vortrag von Dr. Andreas Rudigier)

Er ist einer der bekanntesten Alpinpioniere, die Vorarlberg hervorgebracht hat: Karl Blodig (1859-1956). Anlässlich seines 150. Geburtstages geht der Vortrag auf das Leben und vor allem Wirken des Bregenzer Augenarztes ein, wobei der Schwerpunkt auf den Montafoner Wanderungen und der Freundschaft mit dem Bergsteigermaler Edward Theodore Compton liegen wird.

Anreise mit der Bahn Bludenz ab 18.37 Uhr, Ankunft in Schruns um 18.57 Uhr, mit dem Bus Partenen ab 18.17 Uhr, Ankunft in Schruns 18.55 Uhr; Rückreise mit der Bahn nach Bludenz ab 21.03 Uhr, mit dem Bus nach Partenen nicht möglich

2. Oktober 2009

„Menschen am Berg“

„Menschen am Berg“ – Zeitzeugen berichten

Freitag, 9. Oktober 2009, 19.30 Uhr
Gespräch mit MMag. Michael Kasper
St. Anton im Montafon, Hotel Adler

Begleitend zur Ausstellung „Mensch & Berg!“ erzählen Zeitzeugen von unvergesslichen Bergerlebnissen - Höhen und Tiefen - in Rätikon, Silvretta und Verwall. Die Entwicklung des Bergsports in der Nachkriegszeit wird aus der Perspektive der Akteure nachvollzogen und veranschaulicht.