15. September 2008

Bronzezeit zum Anfassen

In Tirol und den angrenzenden Gebieten spielte der Bergbau bereits in prähistorischen Zeiten eine bedeutende Rolle. Erze und entsprechende Erzeugnisse aus der Region wurden über weite Strecken gehandelt, und die Erzlagerstätten waren ein wichtiger Faktor für die Besiedlung des Alpenraums. Die Bergbauaktivitäten und die damit zusammenhängende Besiedlung hatten weitreichende Einflüsse. So lassen sich heute noch der früheste Anbau von Getreidepflanzen und die Abholzung von Wäldern zur Deckung des Holzbedarfs für den Bergbau anhand von Pollenprofilen nachweisen. Viele Flurnamen gehen auf bergbauliche Aktivitäten zurück. Die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen dem Bergbau und Kultur, Wirtschaft und Umwelt ist das Ziel des Spezialforschungsbereichs HiMAT, in dem Archäologen, Historiker, Sprachwissenschaftler, Ethnologen, Mineralogen, Biologen, Geographen und Ingenieurwissenschaftler zusammenarbeiten. Neben der Universität Innsbruck sind die Universitäten Basel, Frankfurt und Tübingen beteiligt sowie das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum und das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie Mannheim.


Ein Projekt im Rahmen des Spezialforschungsbereich HiMAT untersucht die bronzezeitliche Besiedlung und den Bergbau im Montafon. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr finden deshalb dort Grabungen statt. Die Wissenschaftler nahmen dies zum Anlass gemeinsam mit Montafon-Tourismus und dem Stand Montafon die Bevölkerung und die Gäste in Bartholomäberg zu einem „Tag der offenen Grabung“ einzuladen. Die Besucher konnten dabei die Ausgrabungen der Archäologen beobachten und die in der Bronzezeit übliche Technik des Kupfergießens kennenlernen. Die ganz kleinen Gäste durften gar selbst zu den Werkzeugen greifen und sich als Archäologen versuchen. Projektleiter Prof. Rüdiger Krause aus Frankfurt führte die Besucher zur bronzezeitlichen Siedlung am Friaga Wald. SFB-Sprecher Prof. Klaus Oeggl vom Institut für Botanik der Universität Innsbruck kredenzte bronzezeitliche Küche, wobei das Menu aus Gersten-Linseneintopf mit Speck, Süßer Hirse, Linsen in Bier und Wildschweinbraten bestand. Das Duo Jabadao sorgte mit keltisch-irischen Klängen für die passende musikalische Umrahmung. „Der Publikumsandrang war sehr groß“, berichtet Dr. Mario Prast vom Koordinationsbüro von HiMAT. „Für die beteiligten Wissenschaftler war es eine gute Gelegenheit, die Kontakte mit der lokalen Bevölkerung sowie Wirtschaft und Politik zu pflegen.“ Der Spezialforschungsbereich wird von den Gemeinden Bartholomäberg und Silbertal sowie vom Stand Montafon finanziell gefördert.

Links:

12. September 2008

Vortrag "Die Herren im Tal - Montafoner Eliten um 1800"

Zur laufenden Ausstellung "Die Herren im Tal - Montafoner Eliten um 1800" steht jetzt der Eröffnungsvortrag von Michael Kasper als Online-Beitrag in der Reihe "Verba volant - Onlinebeiträge des Vorarlberger Landesarchivs" zur Verfügung.

Zum Inhalt:
Neben einem Überblick zur Geschichte des Montafons zwischen 1780 und 1820 stehen die lokalen Führungsschichten zur Zeit der Einführung der bayerischen Gemeindeverfassung im Mittelpunkt dieses Vortrags. Wie sah damals die soziale Schichtung aus und wer waren die politischen und wirtschaftlichen Eliten im Montafon? Zwei recht bekannte Vertreter der Oberschicht stellen Johann Joseph Batlogg und Ignaz Vonier dar. Ihre Strategien zur Sicherung und zum Ausbau ihrer sozialen Stellung im Tal werden ebenso beleuchtet wie das Kreditvergabesystem in der ländlichen Gesellschaft, die Karrieren und Ämterlaufbahnen der Dorfhonoratioren sowie die Übernahme bürgerlicher Ideale und Lebensstile durch die bäuerlich geprägte Oberschicht.

Zum Nachlesen:
Michael Kasper: Die Herren im Tal - Montafoner Eliten um 1800

7. September 2008

"Hannibal Brooks"

Vor 40 Jahren wurde Hannibal Brooks u.a. in St. Anton im Montafon gedreht:
Die Anfangsszene (im Trailer ab Sek. 23) mit dem entgleisenden Zug wurde mit der Montafonerbahn gedreht...

Filminhalt:
"During World War II, Brooks, a peace-loving British soldier, is captured by the Germans in Italy and placed on a prison train to Germany. On board, he meets Packy, an American prisoner of war who engineers an escape for them against Brooks's will. They are captured and taken to a prison camp outside Munich. Brooks is assigned to work at the local zoo, where he becomes attached to Lucy, a 15-year-old elephant. The elephant keeper is killed during an air raid; and Brooks is detailed to take Lucy by train to a zoo in Innsbruck, Austria. Their railroad car is commandeered by SS Col. von Haller, however, thus forcing Brooks and Lucy to make the journey by foot. Accompanying them are Willi, a friendly Austrian guard; Vronia, a Polish prisoner who is their cook; and Kurt, a disagreeable German guard who frequently gets drunk and insults both Vronia and the elephant. Brooks accidentally kills Kurt when the latter threatens to shoot Lucy; and Willi suggests they cross the Alps to the Swiss border, 60 miles away. Brooks agrees, but insists upon taking along Lucy. Brooks sets out with Lucy on the long trek across the Alps after Vronia and Willi have gone on ahead. En route, he repeatedly crosses paths with his pursuers, led by von Haller, as well as with Packy, who now leads a guerrilla band of escaped prisoners. Finally, Brooks, Packy, Vronia, and Willi all reach the border, whereupon von Haller, who is deserting as the war nears its end, tries to doublecross them to make good his own escape. During the fighting that breaks out, Vronia and Willi, who have betrayed their loyalties, are killed, but Lucy knocks down a border post and leads Brooks, Packy, and the remnants of his small army, to safety in Switzerland." (Quelle: http://www.tcm.com/tcmdb/title.jsp?stid=77303)

video

HiMAT-Publikation in Antiquity

Eine Vorstellung des SFB HiMAT wurde nun in Antiquity (Vol 82, Issue 317, September 2008) publiziert und ist auch online unter http://antiquity.ac.uk/ProjGall/oeggl/index.html zu sehen.

1. September 2008

Ein Montafoner Steuerbuch aus dem Jahr 1645

Neuerscheinung:

Ein Montafoner Steuerbuch aus dem Jahr 1645. Bemerkungen zur regionalen Wirtschafts- und Sozialgeschichte in der frühen Neuzeit - Edition und sozialstatistische Auswertung


Serielle quantitative Quellen zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des ländlichen Raumes in der frühen Neuzeit sind in peripheren alpinen Regionen wie etwa Vorarlberg verhältnismäßig selten. Eine Ausnahme bilden jedoch die, zum Großteil im Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz überlieferten, Steuerbücher aus dem Montafon, die vom 17. bis ins 19. Jahrhundert reichen und von der regional- und lokalhistorischen Forschung bislang weitgehend unbearbeitet geblieben sind. Anhand dieser relativ dicht überlieferten Verzeichnisse aus den einzelnen Kirchspielen des Montafons ist es möglich, die demographische Entwicklung und die sozialen Strukturen sowohl der einzelnen Dörfer als auch der gesamten Talschaft zu rekonstruieren, sowie deren Veränderungen zu analysieren. Mit dieser Arbeit wird anhand des ältesten Montafoner Steuerbuches aus dem Jahr 1645 das für zahlreiche weitere wirtschafts- und sozialhistorische Untersuchungen grundlegende quantitative Quellenmaterial erstmals editorisch und sozialstatistisch erschlossen. (Klappentext)